Nervosität

Mittwoch, 14.12.2016
Gehirn: Sei nicht nervös Xena. Es mag deine erste Pressekonferenz sein, aber du wirst überhaupt nicht auffallen, wenn du selbstbewusst auftrittst. Das wird gar kein Problem.
 
---11 Uhr morgens, Pressekonferenz---
 
Gehirn: Du solltest deinen Namen nennen, wenn du jemandem die Hand schüttelst, der dir gerade seinen genannt hat.
Ich: Oh! Ja.
Gehirn: ...Okay. Und beim nächsten Mal flüsterst du ihn am besten nicht.
Ich: Hm hm.
Gehirn: Ja, war besser. Wenn du jetzt noch aufhören würdest zu stottern, schaut die Organisatorin vielleicht nicht mehr sofort nach aus welchem Medium du kommst. Gerade stehen.
Ich: Immerhin musste ich mich nicht extra als hereingeschlichene Studentin vorstellen. Wieso sind wir eigentlich so verdammt früh hier??!
Gehirn: Ruhig. Durchatmen. Schweigend im Raum voller Menschen stehen war nicht der Plan, ist nur eine Sache von lässigem Auftreten. Gegen die Wand lehnen, nicht umfallen. Genau. OH MEIN Gott, ist das der Vorstand?? Ah, nein ich glaube doch nicht. Warum liegst du auf dem Boden?
Ich: Ich hasse dich.
Gehirn: Darüber reden wir nochmal, nachdem wir das hier überlebt haben. Ah, s geht los.
 

Ein überpünktlicher Eintrag

Donnerstag, 14.04.2016

Als ich den letzten Beitrag geschrieben habe war ich, wie in letzter Zeit oft, sehr müde. Gerade habe ich festgestellt, dass ich nach der ganzen totgeschwiegenen Zeit etwas mehr notwendig ist, als ein Beitrag über Fingernägel. Außerdem wurde ich dazu aufgefordert gefälligst weiterzuschreiben. Aber natürlich befolge ich solche Befehle nicht.

Fassen wir zusammen:

Ich habe ein paar Workshops im EKH (Ernst-Kirchweger-Haus, ihr erinnert euch? Kommt in den früheren Beiträgen vor.) mitgemacht, weil ich mich zusammen mit zwei Freundinnen in der günstigen Position befand, zufällig vor den Anmeldelisten zu stehen, bevor die großen Hooligans kamen und sich mit uns um die Plätze prügeln konnten. Ich kann jetzt auf "traditionelle" Art tättowieren, also mit Nadel und Farben und ich bin sehr froh, beim Kurs dabei gewesen zu sein. "This workshop is basically all about NOT getting infected." So ging`s los und das war es dann auch. Ich werde euch nicht mit Details langweilen (das tue ich sonst schon genug). Klar kann es auch klappen, wenn man sich mit einer Nähnadel und Kugelschreibertinte in die Haut sticht, das werde ich nicht abstreiten, aber es kann eben auch nicht gutgehen und dann muss der tättowierte Finger amputiert werden (dazu gibt`s ausgesprochen gruselige Bilder im Internet) oder man infiziert seinen Kumpel mit AIDs oder Hepatitis C. Ich gebe zu eine der Idiotinnen zu sein, die da nicht drüber nachdenken und früher oder später hätte ich so eine Aktion definitiv einmal gestartet. "Ein selbstgestochenes Tattoo! Wie geil ist das denn! Leg los!" Ich besorg mir demnächst Nadeln, um weiterzuüben. Vielleicht tättowiere ich ja Orangen. Dann lege ich mir eine Orangen-Sammlung an und werde die Person, die in einem Zimmer mit lauter tättowierten Orangen lebt. Und dann fange ich an, mit Katzen um mich zu werfen. Ein guter Plan? Ich weiß, ein guter Plan.   

Schweißen habe ich auch gelernt, aber das fortzuführen ist mir derzeit nicht möglich, weil mir der Zugang zu den Produktionsmitteln fehlt (Hätte nicht gedacht das ich das mal sagen würde: Führt gefälligst den Kommunismus ein!). Die Workshops sind beide schon etwas länger her und markieren die Endpunkte meines Daseins zwischen Universität und Leben. Die Uni ist habgierig geworden. Nach vielen ermüdenden Stunden und einigen erhellenden Gesprächen mit einigen Aktivistinnen und einem beruflich erfolgreichen Menschen aus dem Kommunikationsbereich habe ich mich schließlich entschieden, mich weniger auf die Noten zu konzentrieren und mehr Fokus auf politische Arbeit zu legen, weil die mir wirklich wichtig ist.

Liebe Familie, liebe Freundinnen:

Ich kenne die aufkommenden Assoziationen. Und ihr habt alle Recht! Ich habe mich mit irrem Grinsen in meine kleine Dachkammer eingeschlossen, mir eine überdimensionale Nerdbrille zugelegt, wahlweise vierzig Kilogramm zu oder abgenommen und befriedige mein Bedürfnis nach Nächstenliebe mit Erotikspielen sofern es sich in mein strafgespanntes tägliches World-of-Warcraft Programm integrieren lässt. Mein einzig nichtvirtueller Kontakt ist der Pizzabote, mit dem ich inzwischen auf Du und Du stehe. Meine beruflichen Ambitionen, sollte ich mich jemals wieder unter der Decke, die mich und meinem Computerbildschirm von der Welt trennt hervorgraben, sind irgendwo zwischen denen einer Friseurfachkraft und einer Taxifahrerin angesiedelt.

Gut, dass ich immer so ernsthaft bin.

Reality Check: Ich lerne weiterhin für mein Studium, ich gehe zu den Vorlesungen, ich übe für die Prüfungen. Ich sitze nicht mehr bis spät in die Nacht vor einer Hausaufgabe. Ich erstelle keine alphabetisch geordneten Aktenordner mehr. Ich mache mein Ding und meine Zukunft beinhaltet ganz grundsätzlich wenig Geld, weil ich wenig Geld brauche, nicht weil ich mir keine Perspektiven in die andere Richtung freihalten würde (das tue ich). Ich will mir weiterhin ein Hausprojekt oder zumindest eine Ladenfläche in Berlin unter den Nagel reißen, dort einziehen und ein antikapitalistisches Chaosdingens draus machen. Aber jetzt gerade verreise ich, organisiere Aktivismusprojekte mit, diskutiere mit allem und jedem und überlege mir, bei welchen politischen Organisationen ich noch vorbeischauen könnte, um möglichst viel(e) zu (nerven) lernen. Das ist das, was ich immer machen wollte und vorraussichtlich auch noch viele Jahre tun werde. Über meinem Schreibtisch zusammenzubrechen und zwischen Buchseiten zu ersticken ist nicht mein Ideal eines gelungenen Lebensentwurfs. Ich bemühe mich. Nur nicht zu sehr.

Themenwechsel: Ja, ich war bei Ende Gelände mit dabei. Nein, es war anders als beim letzten Mal, aber immernoch sehr spaßig und ich werde im nächsten Jahr wieder auftauchen. ich glaube um diesen Artikel ein wenig abzukürzen Zitiere ich schlicht aus meinem Facebookstatus:

"Zurück vom Aktionscamp. Ein paar neue Dinge gelernt, ein paar neue Ideen bekommen. Ein sehr dreckiges Gesicht vom ganzen Kohlestaub und die neuerworbenen Fähigkeiten, stundenlang auf Schienen zu balancieren und mit Mundschutz und Folie vor den Augen gut zu schlafen."

Muss ich noch mehr dazu sagen?

Ich überlege übrigens einen Blog anzufangen. Ja wirklich, richtig gehört. Was für eine unglaublich innovative Idee meinerseits! Okay, es geht darum einen Blog zu schreiben, der sich nicht mehr vorrangig mit mir selbst beschäftigt. Dieser hier bleibt selbstverständlich bestehen und wird (mehr oder minder) eifrig weitergeführt, aber ich hab

A) auch andere Interessen und

B) muss ich journalistisches Schreiben üben und

C) scheint es mir eine spaßige Sache zu sein, mal was Neues auszuprobieren.

Ihr wisst nicht, was für einen Einfluss schon dieser simple Blog in dem ich praktisch nur Schwachsinn erzähle auf meinen Schreibstil hatte, ohne dass ich groß darüber nachdenken musste. Das sollte sich ausbauen lassen. Wenn ich jetzt noch etwas inhaltlich Überzeugendes ausgestalte wären meine Bemühungen zur Abwechslung auch einmal irgendwie produktiv. Ich hab mir schon ein paar Gedanken gemacht, dennoch muss ich im Zuge partizipatorischer Überlegungen fragen:

Habt ihr Ideen und Anregungen für mich? Gute und/oder unterhaltsame Blogs egal welchen Formats (Video, Bilder, Text) die Inspiration sein könnten? Ihr kennt mich, es wird politisch.

Liebe Grüße an alle!  

Soziale Ordnung...Häh?

Donnerstag, 14.04.2016

Ich und meine Verpeiltheit haben ein Problem miteinander. Wobei, ich komme in der Regel eigentlich ganz gut klar mit ihr und die zusätzliche Freizeit, die sie mir in der Schulzeit beschert hat, wenn ich tatsächlich hätte Hausaufgaben machen oder aufräumen sollen, hab ich ihr nie übel nehmen können. Manchmal geht sie mir ein wenig auf die Nerven, wenn ich Sonntags schon wieder hungrig an den festverschlossenen Türen des Einkaufszentrums kratze, während die leeren Küchenschränke meiner Wohnung mich mitsamt meines knurrenden Magens unter sich zu begraben versuchen. Ob Wien oder Berlin, es ist immer dasselbe. Aber alten Bekannten muss man ihre Macken manchmal nachsehen. Nur zwei Dinge, bei denen bei mir wirklich, wirklich der Spaß vorbei ist: Beim Reisen und beim Umziehen. Es gab mal eine Fahrt nach Köln, für die ich in letzter Minute noch heimlich zwischen den Häusern meiner Eltern hin- und herrennen durfte, weil sich die beiden Tickets am falschen Ort verlegt hatten. Keine gute Erinnerung.

Zum Umziehen mitsamt Verpeiltheit kann ich nur sagen: Mein Hut, mein Fahrrad und meine Nagelschere liegen immer noch bei meiner Großmutter. Das hat mir letztens eine lustige Situation beschert, in der mir mein Mitbewohner seine in die Hand gedrückt hat, während ich bereits nach draußen rannte, um die Bahn zur Universität zu erwischen. Generell renne ich im Moment viel, aber sportliche Gründe rangieren in meiner Rangliste, warum ich das tue, sehr weit unten und besagte Schusseligkeit hält zusammen mit der schieren Masse an zu erledigenden Aufgaben die Spitzenposition. Als ich also außer Atem den Rückspiegeln der vorüberziehenden Bahn hinterhergewunken hatte (den nichts Anderes hatte ich vorgehabt. Alles verlief nach Plan.) köpfte ich einen Mülleimer, setzte mich danach auf die danebenstehende Bank, ließ geduldig die Schultern sinken und begann zu weinen (weil alles nach Plan verlief.). Unterdessen fing ich an, mir die Nägel zu schneiden und verlor mich dann so nach und nach ins Philosophieren über die inspirierenden Formen, die jene in den vergangenen Wochen (?) angenommen hatten. Beim achten Fingernagel stürmte eine Frau, die bisher neben der Haltestelle gestanden hatte, aufgebracht an mir vorbei und verschwand hinter der seitlich angebrachten Werbetafel. „Das ist ja widerlich!“, zischte sie noch, als sie ungefähr auf meiner Höhe war. Der letzte Teil über Fingernägel ist so, wie ich es schreibe wirklich passiert und ich habe ihr nicht geantwortet. Wieso auch? Ich war zufrieden, mit Wichtigerem beschäftigt und mir schlicht zu schade, um aufzublicken und ihr noch etwas hinterher zu rufen. Aber während ich Nagel neun und zehn fertigstellte, konnte ich mich doch nicht zusammenreißen und legte mir ein paar passende Antworten zurecht.

Sie haben Angst vor Fingernägeln? Die wachsen an Ihrer Hand!

„Man, beruhigen Sie sich. Sie haben meine Fußnägel doch noch gar nicht gesehen...“

Über meine eigenen Gedanken kam ich ins Grübeln. Wie reagiert die Frau denn, wenn jemand im selben Raum wie sie eine Nagelfeile hervorholt? Rennt sie mit anklagenden Blick zur Tür hinaus? Denn das, was dabei zu Boden fällt, ist genau dasselbe, nur viel viel besser zermahlen. Ein kurzer Blick auf den Boden bestätigt mir, dass die Überbleibsel meiner Schneideaktion längst zwischen den Pflastersteinchen verschwunden waren. Über „gruselige“ Fingernägelreste kann sie sich echt nicht beschweren und ich bezweifele, dass sie überhaupt danach geschaut hat. Abgesehen davon verstopfen ihren Finger- und Zehennägel aller Voraussicht nach den Abfluss ihrer Badewanne oder ihres Waschbeckens, wenn sie sich superhygienisch derer entledigt. Vielleicht fegt sie sie auch auf, nachdem sie sie beim Schneiden versehentlich quer durch ihre Wohnung geschnippt hat. Meine verschwinden einfach und werden innerhalb einiger Wochen kompostiert. Wann sie ihre dann mit Chemikalien aus der Leitung kratzen darf, will ich lieber nicht so genau wissen. Oder vielleicht finden sie sich auch irgendwann im ausgepumpten Magen ihres Chi Hua Huas wieder. Nichts gegen kleine Hunde, aber die kommen überall drunter und essen, was sie kriegen können. Kekskrümel mit Fußnägeln dazwischen? Schon okay.

Was genau mach Fingernägel widerlich? Leute kümmern sich um sie, bemalen sie, feilen sie, lassen sie auf die irrsinnige Länge von 9 Metern wachsen (Weltrekorde - immer wieder nutzlos), aber sie zu kürzen ist ekelhaft? Seien wir ehrlich, darum geht`s nicht und die Frau steht mit Sicherheit auch nicht restlos angewidert da, wenn ihr(e) Freund(in) sich in der gemeinsamen Wohnung die Nägel stutzt. Es geht irgendwie darum, dass ich das öffentlich mache. Das „man“ das nicht macht. Und diese völlig unnötige, unbegründete und felsenfeste Überzeugung hat sie so weit gebracht, dass sie flüchten und mich beleidigen musste, um sie zu verteidigen. Macht das Sinn? Gesellschaftliche Konventionen bleiben mir ein Rätsel.

 

Was so passiert ist? Musik, Tanzen und- Moment, das hatten wir alles schon

Sonntag, 20.03.2016

Wieder da! Ich habe euch ja gewarnt.

Trotzdem: Langsam aber sicher werden mir die Begründungen knapp, euch zu schreiben. Wenn ihr irgendeine Frage habt, beantworte ich sie gerne mit einem Eintrag, ansonsten werden sie schleichend kürzer werden (die Einträge. Meine telepathischen Fähigkeiten reichen immernoch nicht aus, um die Fragen zu beeinflussen).

Es ist bald Ostern! Ich hab vergessen, dass wir jetzt Ferien haben und freue mich dementsprechend, auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich bis zu deren Ende nicht herausfinden werde, welcher Tag denn nun konkret der zum Eier verstecken wäre...Nun ja, man muss ja nicht jeden christlichen Feiertag mitmachen. Ostern ist im Christentum eigentlich ein wesentlich wichtigeres Fest als Weihnachten, wurde mir kürzlich erklärt. Aber wir leben im Kapitalismus und man geht mit der Zeit...

Apropos Fasten: Ich habe vor, mich diesmal beim Ramadan einzuklinken. Begründung: Wenn ich  schon jeden christlichen Schwachsinn Feiertag zum Feiern nutze, kann ich mich auch gleich in den anderen Religionen nach Gelegenheiten umschauen. Hallo?! Zuckerfest? Also ich bin dabei! Andere Begründung: Angeblich gibt es noch andere Weltreligionen als das Christentum. Gerüchteweise sogar im Westen!

Gegenüberstellung für Laien: Bei Ramadan gehts neben dem göttlichen Part vielen unter Anderem darum nachzuempfinden, wie es denen geht, die das nicht freiwillig und nur für 30 Tage machen müssen. Im Gegensatz zu Ostern. Schon seit der Kreuzigung ist das Verstecken von Eiern und der Verzehr von in Aluminium verpackter Schokolade heilig. 

Bei einigen von euch, die mein Interesse für den religiösen Quatsch der einmal nicht auf die Kappe der Bibel geht den Islam und andere Religionen eventuell nicht nachempfinden können, mag mein Interesse ein Augenverdrehen provozieren. Ich weise euch hiermit freundlich daraufhin, dass ich eine Abweichung von meiner Meinung als Ketzerei deuten könnte und lehne mich entspannt gegen mein Sprengstoffarsenal.

So, bevor ich euch unter dem Vorwand meiner persönlichen Weiterbildung auch noch mit dem Wachturm nerven kann: ICH BIN UMGEZOGEN!! Mein Zimmer ist super und ich werde demnächst darüber schreiben, wie ich es einrichte (ich schwöre, dass das viel spannender wird, als es sich anhört). Trotz aller Euphorie über die erste eigene WG: Ich habe keine Boxen. Und keinen Plattenspieler. Ich bin also derzeit nicht wirklich lebensfähig. Eine Matratze habe ich auch nicht, aber die ist ja auch echt nicht so wichtig. Mit der Wohnung kommt eine Katze und demnächst auch vier Ratten, wenn ich bei der Besorgung ein wenig nachhelfe.

Meine Prüfungen sind, wenn man meine ständigen Prokrastinationsanfälle kurz vor den jeweiligen Prüfungs - Terminen berücksichtigt, geradezu unverschämt gut gelaufen. Zwei Prüfungen aus dem letzten Semester mache ich erst im April. Haltet mir die Daumen, ich bin zu sehr mit tippen beschäfftigt, um es selbst zu tun.

Für schwer gekränkte Leser des heutigen Eintrags gillt: Wer mich zu Ernst nimmt, dem fällt der Kopf ab. (*schockierte Blicke*)

der satirische Unterton lässt grüßen.

Noch ist dieser Blog nicht tot!

Montag, 29.02.2016

Hallo an alle!

Ich weiß, zwei Monate ohne Feedback (mein Fable für dieses Wort hällt an) sind ziemlich viel, deshalb will ich an dieser Stelle einmal dafür garantieren, dass dieser Blog ganz offiziel noch nicht tot ist! Da ich im Februar ohnehin in Deutschland war, erschien es mir schlicht nicht zweckmäßig, was reinzuschreiben und davor war ich zu faul dazu verdammt, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

 

Es heißt Sackerl!

Sonntag, 20.12.2015

"Tüte" ist ein typisch deutsches Wort. Hier in Wien sagt man "Sackerl", was einer aber auch erst klar wird, wenn man schon ein paar Wochen Stadtleben hinter sich gebracht hat. Also wenn ihr euch nicht sofort als "Piefke"(Deutsche, Schreibweise eventuell beschädigt) outen wollt (was ihr werdet, hochdeutsch verrät), dann hütet euch vor der Tüte!

Ich bin nicht mehr provokant.

...Jetzt bin ich bösartig! Ich schätze, ich kann das als Aufstieg betrachten. Vor allem, wenn das Label dir von jemandem verliehen wird, der unabsichtlich drei Leute davon überzeugt hat, dass er sie partout nicht leiden kann, ohne das das der Fall wäre, also selbst nicht ganz ohne ist. Ich hatte sehr viel Spaß beim Austauschen gemeingeehrlicher Bemerkungen. Selbstverständlich habe ich das Wortduell gewonnen, (wenn man ihn fragt eventuell nicht) und mir meinen neuen Titel somit redlich verdient. Alles in allem ein paar witzige Stunden.

Spontaneität ist in meinen Augen sehr wichtig. Sie dient dazu, sich selbst zu beweisen, dass man weit davon erntfernt ist, eine verkalkte und humorleise Greisin zu werden. Vorletztes Wochenende (Oder letztes? Mein Zeitgefühl...) bin ich also wahnsinnig spontan zu einem Seminar über Biologismen gefahren.

Ihr erinnert euch wahrscheinlich an: "Ein Thema zum Nachdenken", dass durch ein Gespräch zwischen mir und jemand Anderem zustande gekommen ist. Diese Andere hat mich zum Seminar eingeladen gehabt. Ich habe es natürlich völlig verpeilt und wurde dann mit Ach und Krach am Tag vor Beginn noch ins schwankende Boot geholt. Das Seminar war selbstorganisiert, also nicht von der Universität und fand außerhalb der Stadt statt. Hastig ein paar Klamotten in meinen Rucksack geschmissen, ein Ticket gekauft und losgestürmt.

Biologismen = Sachen die unsinnig mit den Genen erklärt werden. "Frauen mögen von Natur aus lieber Rosa als Männer." (= Schwachsinn = Biologismus)

Gerade im Bezug auf Frauen und Männer, aber auch auf viele andere Gebiete bezogen wird das in unwissenschaftlichen Zeitungsartikeln immer wieder gerne so behauptet. Ich lerne gerade im Studium viel über wissenschaftliches Arbeiten und kann euch somit garantieren, dass diese "Studien" in wissenschaftlichen Kreisen nicht einmal mit spitzen Fingern angefasst werden und nur wegen dem großen Medienecho, dass sie werfen, immer wieder publiziert werden. "Wir haben ein Gen über Sympathie gefunden!" schreibt sich eben besser als: "Sympathie ist ein komplexes Gedankengebäude unterschiedlicher Eigenschaften. Definiert wird sie von Professor Abdul Chlorwasser folgendermaßen...". Ich habe folgendes gelernt: Bitte kippt alles, was ihr über Gene, speziell über männliche und weibliche Gene gehört habt, einfach in die Tonne. Dann zündet sie an. Danach macht ihr mich nicht verantwortlich für den Brandfleck in eurer Küche/ eurem Hinterhof und schon habt ihr eurer Allgemeinbildung und dem gesamtgesellschatlichen Wissensschatz einen großen Dienst erwiesen.

Gleichzeitig war das Seminar generell eine tolle Erfahrung mit vielen interessanten Menschen. Ich habe zum ersten Mal verstanden, was die "Anti-Deutschen" wollen und herzhaft darüber diskutiert, sowie in Verbindung dazu, über die USA und ihre Rolle in der Weltpolitik (Anti-Deutsche sind eine Unterströmung innerhalb der linken Szene, denen dort aber recht viel Spott und Kritik zuteil wird). Gut, dass ich die Daily Show schaue! Außerdem habe ich ein sehr spannendes Buch gelesen. "Egalia" hießt es glaube ich, jedenfalls spielte es in Egalia. Es ist alt und hat keine aktuelle Auflage, aber ich werde es mir definitiv von irgendwo kaufen und einige von euch werden es lesen müssen, weil ich sie damit jagen werde. Ich hab sehr viel daraus gelernt.

Silvester bin ich in Berlin! Weihnachten nicht, aber da hat sowieso niemand Zeit.

Ich hab über die Ferien verdammt viele Hausaufgaben bekommen und werde mich stündlich darüber aufregen, dass ich die Feiertage durcharbeiten muss...Nun ja, unwichtig.

Grüße an euch!

Die Daily Show!

Montag, 07.12.2015

Ich bin sicher einige von euch kennen sie. Die Daily Show! Das ist eine Satire-Nachrichtensendung aus den USA, berühmt für ihren investigativen Journalismus. Zuletzt wurde sie 16 Jahre lang von Jon Stewart geführt und durch ihn wahnsinnig bekannt gemacht. Jetzt ist er abgetreten und hat einem Nachfolger das Feld überlassen, aber meiner Meinung nach braucht der noch eine Weile, bis er die Show zu seiner eigenen macht. Bis dahin: Wenn ihr was zu lachen haben und euch gleichzeitig ein wenig über Amerika informieren und wahnsinnig gebildet fühlen wollt, schaut euch die alten Folgen auf Youtube an. Das ist Unterhaltung pur! (Ihr müsst englisch können.)Die Anstalt ähnelt ihr ein wenig, wobei die Daily Show aber eben täglich ausgestrahlt wurde/wird und meiner Meinung nach noch witziger ist, ohne dabei an Qualität zu verlieren (für dutzende Preise nominiert und fast genauso viele gewonnen). Wirklich, ihr MÜSST sie euch anschauen. Jon Stewart! ich vergöttere den Typen.

Ich füge mich langsam aber sicher ein. Nur die Arbeitsbalance kriege ich noch nicht hin. Wenn ich nicht gerade zwei oder drei Tage am Stück stundenlang arbeite, sitze ich stattdessen herum und gammle. Heute zum Beispiel. Was dazu führt, dass ich privat wenig auf die Reihe kriege, aber meine Noten sind recht gut. Ich bin trotzdem regelmäßig weg und feiere, wie man das nach dem gängigen Studentenstereotyp eben macht. Es ist nur eine Theorie, aber ich glaube, dass es in Wien einfacher ist, in die Szene einzusteigen, als in Berlin. Sicher bin ich mir allerdings nicht. Vielleicht wäre es in Berlin ebenso einfach gewesen, wenn ich von Wien aus gerade rübergezogen wäre. Ich habe interessante Menschen getroffen und komme ganz gut herum.

Zudem lerne ich immer mehr Wiener Wörter, die man als Touri nicht so aufschnappt: Neben dem Wort Komma wird auch das Wort Beistrich für das Satzzeichen verwendet. Wenn du waach bist, bist du high. Ich glaube betrunken sein ist dabei mit eingeschlossen, jedenfalls hatte ich bis jetzt keine Situation, wo es aus anderen Gründen als deswegen hätte verwendet werden können. 

Ende der Woche ist bei mir noch einiges an Events geplant. ich schreibe dann am Sonntag. ;)

Xena

 

Ein Thema zum Nachdenken

Samstag, 28.11.2015

Meine Einträge werden immer unregelmäßiger. Ich werde ab jetzt versuchen, jeden Samstag (vielleicht ändere ich das noch auf Sonntag) etwas zu schreiben.

Bei mir läuft alles gut. Ich habs wieder einmal geschafft, meine Hausaufgabe bis zum Wochenende aufzuschieben und eigentlich wollte ich heute noch klettern, aber meine neuen Beinahe-Freunde (es ist wohl noch etwas zu früh, von Freunden zu sprechen, aber zu spät für das Wort "Bekannte") scheinen zu verpeilt zu sein und allein bringe ich gerade nicht die Motivation auf. Ich mache allerdings derzeit extrem viel, wie mir scheint. Gestern war ich bei einem Schauspielkurs vom Wiener Volkstheater. Es ist, wie alles hier, sehr hübsch und die Leute sind auf den ersten Blick ziemlich cool. Ich werde mit allen dort ein Stück entwickeln. In letzter Zeit begegne ich ständig transsexuellen Mensch und solchen, die man als genderfluid bezeichnet. Ich hatte in einer Bar eine sehr spannende Diskussion mit einer über das Thema Schutzräume für Frauen_ auf Parties und Co. Das sind Räume, in die sich Frauen, Trans- und Intersexuelle zurückziehen können, wenn es Probleme oder sexuelle Übergriffe gibt. Männer haben keinen Zutritt. Ich hatte zu Beginn absolut kein Verständnis dafür, musste meine Einstellung aber zum Ende hin etwas lockern. In Mainstream-Clubs wäre es eine Idee, die irgendwie Sinn hat. Dennoch halte ich es für sehr sexistisch und nicht passend im Rahmen der linken Szene, wo das ja viel eher praktiziert wird. Damit stehen Männer automatisch in der Täterrolle unter Generalverdacht. Außerdem wird Männern, die belästigt werden, jeder Schutzmöglichkeit von Beginn an verwehrt.

Was ich spannend finde: Männer und Frauen haben beide Formen, sich untereinander oder gegenseitig zu belästigen, es wird von Männern nur nicht so heftig aufgefasst. Wenn eine Frau sich einem Mann ungefragt auf den Schoß wirft, ist das grundsätzlich genauso agressives Anmachen, wie wenn ein Mann einer Frau an den Hintern greift. Dennoch wird ein Mann sich davon selten so bedrängt oder angegriffen fühlen, wie im umgekehrten Fall. Das zeigt eigentlich, wie heftig die anerzogenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern hier noch ausgeprägt sind. Frauen als Täter werden nicht als gefährlich eingestuft und Männer fühlen sich daher selten bedroht, nur unangenehm belästigt. Auch die Methoden beider Geschlechter suggerieren unterschiedliches, auch wenn sie beide stark in die Privatsphäre des Gegenübers eingreifen. Der grabschende Mann behandelt die Frau wie Besitz. Die Frau wiederrum wirft sich auf den Schoss eines Mannes, was ja eher darauf hindeutet, als wollte sie genau dieses "in Besitz genommen werden" provozieren. Das sind nur zwei Beispiele, natürlich gibt es auch ganz andere Taktiken, wo diese Auslegung nicht so gut passt und meine Auslegung ist sowieso stark subjektiv. Man könnte das alles auch völlig anders deuten. Schon allein von den durchschnittlichen Körpergewichts- und Größenverhältnissen zwischen Mann und Frau bietet es sich eher an, dass das weibliche Geschlecht sich auf den Schoß des Männlichen fallen lässt, als umgekehrt. Dennoch, es ist und bleibt beunruhigend und sicher etwas, über das man noch lange nachdenken könnte. Wer Lust hat, es zu tun, kann mir gerne schreiben. Eure Meinungen zu dem Thema interessieren mich gerade sehr.

Wenn ein Mann sich nun wirklich bedrängt fühlt, darf er das nach dem Stereotyp des "starken Geschlechts" aber natürlich auch nicht zugeben, was die Dunkelziffer, was derlei Übergriffe angeht, vermutlich in ungeahnte Höhen treibt. Gleichzeitig wird es aber grundsätzlich auch als nicht so schlimm gewertet, wenn das passiert, auch von den Männern selbst.

Um diese Unterschiede auszugleichen: Wäre es sinnvoll, wenn Männer sich für derlei Dinge (Eingriffe in ihre Privatssphäre) genauso sensibilisieren, wie Frauen? Oder - in eine völlig andere und vielleicht sehr drastisch anmutende Richtung gedacht: Reagieren wir Frauen falsch? Sollten wir aufhören, uns in der Opferrolle zu fühlen und lernen, dass wir uns in einem Club, in einer Bar in der Regel einfach deutlich ausdrücken müssen, um in Ruhe gelassen zu werden? Statistische Größen- und Kräfteunterschiede sind zwar da, aber nur, weil man kleiner ist, heißt dass nicht, dass man Opfer ist. Ein lauter Schrei, eine Ohrfeige, eine klare Ansage, eventuell auch das Wenden an die Security sind in 90 Prozent der Fälle genug, gerade in belebten Orten wie Parties. Wieso gehen wir bei einem Übergriff automatisch von den letzten zehn Prozent aus? Wieso wird so oft nicht geschrien, nicht getreten, der Mann als von Anfang an übermächtig akzeptiert? Ich persönlich finde Schutzräume gut. Aber nicht für Frauen_ gegen Männer. Wenn es wirklich heftige Schwierigkeiten gibt, will ich Hilfe, weil ich ein Mensch und nicht weil ich eine Frau bin. Und wenn ich angegriffen werde, sehe ich mich (und nur mich, dass ist nicht auf alle bezogen und soll niemandem Verantwortung zuschreiben, der selbst schlechte Erfahrungen gemacht hat) zu allererst einmal in der Pflicht, mich gegen den/die Täter/in zu verteidigen und mich nicht einfach in die Opferrolle hineinzufügen. Im Notfall auch mit einer über den Kopf gezogenen Flasche.

Das die Gesellschaft es Männern zugestehen sollte, ungute Gefühle in solchen Situationen laut auszusprechen, ist wohl ohnehin absolut klar.

 

Ich stelle fest, dass ich solche Überlegungen immer sehr absolut formuliere, was einen falschen Eindruck erwecken könnte. Das sind die Schlüsse, zu denen ich gekommen bin und ich schreibe sie hier nicht herein, weil ich will, dass alle genauso denken, wie ich, sondern um die Gedanken anderer zu hören. Ich baue auf Widersprüche und andere Perspektiven von euch, um den Gedankengang zu verbessern und weiterzuentwickeln. So ist er gemeint.

Schreibt mir. Oder hinterlasst ein Kommentar.

Viele Grüße!

Ein kurzes Feedback

Donnerstag, 19.11.2015

Ist euch schon einmal aufgefallen, wie witzig das Wort Feedback ist? Zurückfüttern. Wer kommt auf solche Ideen? Ich füttere euch mal zurück. Leider habe ich keine Zeit, das Ganze literarisch auszugestalten, ich hoffe, niemand ist enttäuscht.

 

Ich sitze gerade an Hausaufgaben. In letzter Zeit haben wir erschreckend viele auf einmal bekommen. Bis jetzt habe ich (*GRINS*) in allen volle Punktzahl, aber die meisten waren auch eher klein, nur zeitaufwendig. Im Gegenzug haben sie mein gesamtes Wochenende gefressen! Ich werd diese gefrässigen kleinen Biester diesmal irgendwie schneller bewältigen müssen (oder schon Montags damit anfangen). Das Studium ist spannend, wobei der soziologische Zusatzteil derzeit witziger ist, als das eigentliche Publizistik-Studium. Wir machen eben die Grundlagen. Die Grundlagen der Grundlagen. Also...Es macht wirklich keinen Spaß. Die Hälfte kannte ich schon und die andere Hälfte finde ich unnötig. Ich sehe es nicht ein, am Ende des Semesters einen Test zum "richtigen Zitieren" schreiben zu müssen. Zu soziologischen Paradigmen und der Systemtheorie, kein Problem, aber der Idiotenstoff klaut mir einfach jede Motivation für die Fächer. Generell erklärt mir mein Ergeiz, dass ich langsam anfangen sollte, die neuen Inhalte zusammenzufassen und zu lernen. Bis jetzt haben wir(Ich, Faulheit, ein paar Andere) ihn jedesmal erfolgreich verprügelt, wenn er damit ankam, aber er wächst beunruhigend, je schneller die Zeit vergeht. Ich hätte zwei Mal fast einen Job gefunden. Vom zweiten habe ich noch keine Zurückfütterung, aber ich hege die vage Vermutung, dass der Kerl, der ihn mir organisieren wollte noch am selben Tag gefeuert wurde. Wir alle haben zu lange gequatscht, sind dann eingepennt und er ist nach wenigen Stunden Schlaf doch arg spät aufgewacht. Schade, es ging um 12 Euro in der Stunde.

Ja, liebe Leute, das Pariser Attentat hat mich auch ihn Wien erreicht. Ich bin sehr gespannt, wie sich das auf die lokale Politik auswirken wird, sowohl hier, wie in Berlin. Unser Prof hat das natürlich gleich zum Anlass genommen, es aus der kommunikationswissenschaftlichen Perspektive zu sehen. Es handelt sich um ein Weltereignis. Etwas das überall nahezu zeitgleich die Öffentlichkeit erreicht hat. Das streng genommen erste dieser Art war 9/11. Ein beunruhigender Gedanke.

Ich spreche hiermit meine Loyalität für alle Muslime dieser Welt aus. Abgesehen von den Mordopfern und ihren Angehörigen, sind sie es, die jetzt die meisten Probleme bekommen werden. Übrigens ist es lächerlich, den Überwachungsstaat noch weiter auszubauen, in der Hoffnung, damit jedes kommende deprimierende Ereignis zu verhindern. Das ist Weltgeschichte. Dagegen kommt man mit Kameras nicht an. Just saying.

Ich baue mir langsam ein Netzwerk aus sozialen Kontakten auf. Es ist nicht reißfest (ich war nie gut in Handarbeit), aber es hält. Ich hab garantiert ein paar spannende Geschichten erlebt, kann mich aber gerade an keine erinnern. Ein paar (außeruniversitäre) Dinge habe ich gelernt und ein paar Gespräche geführt die wichtig waren, soweit bin ich. Das letzte Wochenende hingegen war entschieden zu schriftlich. Und dieses wird es eventuell wieder. Verdammtes Zeitmanagement. Ich habe eine Nazi-Demo-Blockade verpasst deswegen. Das ist sowas wie eine exotische Tierart hier in Wien, also wirklich, wirklich ärgerlich.

Ich freue mich auf Weihnachten!

Und Silvester bin ich drüben. Es gibt eine Person, die ich bei meinem Besuch in Berlin nicht erwischen konnte. Es wäre gut, sie demnächst mal wieder zu sehen.

(Ich schwöre, der nächste Eintrag wird spannender!)

Xena

Halloween

Montag, 02.11.2015

Ich wechsele die Straßenseite, als ich bemerke, dass ich das Haus gefunden habe. Einerseits, um es mir zu erst von Außen anzusehen, andererseits, weil ein leichter Anfall von Schüchternheit mich dazu überredet. Man weiß ja, wie die linke Szene sich manchmal gibt: Wer neu ist, könnte genauso gut potenziell vom Verfassungsschutz sein. Oder Terrorist. Letzteres willkommener als Ersteres. Ich übertreibe. Mir gegenüber legen zwei Männer eine Art Verkausstand frei, der von Planen bedeckt war, während ich vorsichtig näher heranschleiche und ihn nicht weiter beachte. Das Haus ist niedrig und unscheinbar, nicht einmal ein Transpi (Transparent) kann ich auf den ersten Blick entdecken. Die Fenster im Erdgeschoss sind dafür mit so vielen Stickern tapeziert worden, dass ich von meiner Seite der Straße aus kaum durchsehen kann. In meiner Hosentasche knistern die wenigen "Refugees Welcome"-Aufkleber, die nicht für FPÖ-Wahlplakate draufgegangen sind, verheißungsvoll. Das Tor ist sehr groß und aus Holz und steht weit offen, aber vom Inneren kann man recht wenig erkennen. Davor ist ein Schild aufgestellt, wie sie auch vor Restaurants und Kneipen oftmals stehen und das jeweilige Menü verkünden. Unter dem Vorwand, den Schriftzug lesen zu wollen, stecke ich die Hände in die Hosentaschen und überwinde langsam die Straße zwischen mir und meinem Ziel. Feigling! Ja, wahrscheinlich. Ein alter Mann läuft an mir vorbei und unversenens durch den Eingang. Ich schaue einmal kurz nach links und rechts, ob irgendwer zusieht und beeile mich dann, ihm zu folgen. Im Windschutz des gedrungenen Rückens betrete ich einen Innenhof, durchquere ihn und gehe eine schmale Treppe aus Stein hinauf.

Als ich das Papierschild sehe, dass daran befestigt ist, weiß ich, dass ich richtig bin. Anarchistisches Sommercamp 2016 - Orgatreff. Ich grinse.

http://media05.regionaut.meinbezirk.at/2013/10/10/5206559_preview.jpg?1381393983

 

_______________________________________________________________________________

Wenn alles gut geht, findet diesen Sommer in Österreich ein anarchistisches Camp statt. Das gab es bis vor ein paar Jahren häufig und wird jetzt eigenmächtig von einer kleinen Truppe von Wahnsinnigen wiederbelebt. Sogar jemand von der Clowns Army ist dabei! Ich glaube, ich habe zwanzigmal und mehr erwähnt, dass ich dazu gehöre, um ihn dazu zu zwingen, sich zu outen. Er war völlig normal angezogen und hat unschuldig gelächelt, aber alles an ihm hat "CLOWN!" geschrien. Später kam sogar noch ein Clown dazu, den ich aus dem letzten Jahr kenne. Aktivismuscamps vernetzen. Dieses spezielle Camp soll übrigens so international wie möglich sein. Wer von meiner Seite aus vorbeikommen will ist somit eingeladen.

Ich glaube, langsam habe ich den Dreh mit dem Menschen treffen raus: Zu drei von vier Veranstaltungen geht man und steht die meiste Zeit so gut wie alleine herum, während man sich mit sich selbst beschäfftigt. (Was trotzdem recht witzig sein kann, sofern man nicht alleine in einer Bar sitzt und melancholisch aus dem Fenster starrt. In diesem Fall: Selbst Schuld!) Wenn man sich jedoch wirklich mal zu vier ganzen Events nötigt, besagt die Wahrscheinlichkeitsrechnung eben auch, dass angequatscht zu werden oder sonstwie an Leute zu gelangen jetzt langsam zum Programm gehören sollte. Das hat jetzt schon zweimal funktioniert und ich bestehe darauf, dass es so bleibt, dann bin ich in zwei Jahren nämlich mit ganz Wien bekannt. Ok, vielleicht will ich das gar nicht. Wie ihr einen Stadtwechsel gehandhabt hättet, würde mich mal interessieren. Vielleicht kann ich mir noch ein paar Ideen abschauen.

Der ganze Tag war ein voller Erfolg. Ich war auf einer ziemlich überfüllten Hausparty, hatte ein paar witzige Unterhaltungen und sogar ein Kostüm. Ein paar Tipps/Vorwarnungen, wenn ihr euch jemals mit Acrylfarbe das Gesicht schminken solltet: 1. Es hällt. Bombenfest. Sogar wenn ihr mit dem Gesicht nach unten schlafen geht. 2. Es lässt sich trotzdem gut abwaschen. 3. Es ist giftig. Und ihr werdet Teile davon früher oder später schlucken.

Ich will nicht genau wissen, wie viel Chemie sich jetzt auf ewig in meinen Zellen abgelagert hat, aber das Ergebnis war ein extrem plastischer blutiger Skelettmund in meinem Gesicht, also werde ich mich nicht beschwehren. Im Endeffekt bin ich totmüde und zufrieden in einigem Abstand zur Poledancing-Stange weggepennt, um nicht von herunterfallenden Betrunkenen erschlagen zu werden. Menschen haben schon seltsame Hobbies. Und ich wurde gewarnt, nie auf Techno-Events ins Erich-Kästner- Ernst-Kirchweger-Haus zu gehen, wenn ich nicht vorhabe sehr schnell, sehr high zu werden.

Diesen Donnerstag komme ich vorbei! Wer will mich sehen? 

...

*Grillenzirpen*

...

Ja gut ok, ich sag ja schon nichts mehr.

 

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.